Clearance-Modell
Das Clearance-Modell beschreibt ein Verfahren im elektronischen Rechnungsaustausch, bei dem Steuerbehörden aktiv in den Übermittlungsprozess eingebunden sind. Im Gegensatz zum in Europa weit verbreiteten Post-Audit-Modell, bei dem Rechnungen direkt zwischen Geschäftspartnern ausgetauscht und erst im Nachhinein geprüft werden, müssen Rechnungen im Clearance-Modell vor oder während der Übertragung elektronisch gemeldet, validiert und freigegeben werden. Erst nach dieser Freigabe gelten sie als steuerlich gültig und können beim Empfänger verarbeitet werden.
Dieses Modell ist insbesondere in Lateinamerika etabliert und zeichnet sich dadurch aus, dass ein Großteil der Rechnungsdaten in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit an staatliche Plattformen übermittelt und dort analysiert wird. Ziel ist es, Steuertransparenz zu erhöhen, Betrug zu reduzieren und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bereits im Moment der Rechnungserstellung sicherzustellen.
Auch in Europa ist eine klare Entwicklung in Richtung solcher Kontrollmechanismen erkennbar. Das Europäische Parlament hat sich für eine stärkere Harmonisierung der elektronischen Rechnungsstellung ausgesprochen, um fragmentierte nationale Lösungen zu vermeiden, die Rolle der E-Rechnung in der Echtzeit-Berichterstattung zu stärken und die Grundlage für verpflichtende, standardisierte Systeme zu schaffen. Perspektivisch deutet vieles darauf hin, dass Clearance-ähnliche Modelle oder Continuous Transaction Controls (CTC) auch in der EU an Bedeutung gewinnen werden.
Für Unternehmen bedeutet das Clearance-Modell eine grundlegende Veränderung ihrer Rechnungsprozesse: Fehlerhafte oder nicht konforme Rechnungen werden unmittelbar abgewiesen und können nicht zugestellt werden. Damit wird die Qualität und Validität von Rechnungsdaten zu einem kritischen Faktor – nicht nur für die Compliance, sondern auch für stabile Zahlungsflüsse und den gesicherten Cashflow.
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